Nach meiner Bekehrung (1985) versuchte ich mit großer Begeisterung meine Freunde von der Richtigkeit und Wichtigkeit des christlichen Glaubens zu überzeugen.
Insbesondere bei Jürgen, der in meiner Bekehrungsgeschichte ja eine
gewichtige Rolle gespielt hatte, gab ich mir alle erdenkliche Mühe.
Aber es kam am Ende
jedes Gespräch immer wieder die gleiche Reaktion: "Alles Quatsch! Es
gibt nur die Natur und sonst gar nichts!"
Irgendwann begann ich zu begreifen,
dass ich ihn durch meine Geschichten und Argumente vermutlich nicht überzeugen würde. Sein Alles ist Natur - Glaube war einfach zu fest verankert in ihm. Ein Wunder, dachte ich, er muss ein Wunder
erleben. Dann wird er sich bekehren!
Einige
Zeit danach waren wir samstags um die Mittagszeit herum bei mir zuhause
verabredet. Wir wollten einen Spaziergang
im schön gelegenen Schlosspark machen. Aber es goss wie aus Kübeln. Als
er bei mir eintraf, sagte er gleich: "Also, das mit dem Spaziergang
können wir wohl vergessen!" Ich entgegnete: "Nun lass uns doch erst
einmal abwarten! Vielleicht hört
es ja gleich wieder auf zu regnen." Und so kochte ich uns einen Tee,
den wir dann, jeder in seinen eigenen Gedanken versonnen, in der
Wohnstube tranken.
Nach einer Weile stand Jürgen auf und ging ans Fenster. "Nee", sagte
er, "das gibt heute nichts mehr!" Er drehte sich um und setzte sich
wieder in den Sessel. "Hör mal", sagte ich, " ich möchte Dir einen
Vorschlag machen! Wärst du
einverstanden, wenn ich für besseres Wetter beten würde?"
Er schaute mich mit einem erstaunten Gesichtsausdruck an: "Ist das
jetzt dein Ernst?"
"Ja!", entgegnete ich," und du wirst sehen, dass es aufhören wird zu
regnen. Also, bist du einverstanden, dass ich bete?" Einen Moment lang
schaute er mich ungläubig an, dann sagte er lachend: "Meinetwegen! Wenn
ich nicht mitbeten muss!"
Ich konzentrierte mich für einen kurzen Moment und dann begann ich laut
zu beten: "HERR, du siehst, dass Jürgen und ich einen Spaziergang im
Schlossgarten
machen wollen. Für dich ist es ein Leichtes, den Regen zu stoppen und
uns besseres Wetter zu schenken. Und genau darum möchte ich dich jetzt
bitten. Amen!"
Während ich betete hatte Jürgen tatsächlich still, fast andächtig,
daneben gesessen. Jetzt sagte er: "Da bin ich jetzt aber mal gespannt!"
"Du wirst sehen", sagte ich, "Gott wird ein Wunder tun! Komm, lass uns
fahren!"
Es
regnete nach wie vor in Strömen. So stark, dass die Scheibenwischer an
Jürgens Wagen wiederum alle Mühe hatten klare Sicht zu schaffen.
Angesichts der Tatsache,
dass weiterhin eine tiefdunkle Wolkendecke über uns hing, hätte mir
aller Mut abhanden kommen können. In wenigen Minuten würden wir den
Schlosspark erreichen und wie sollte sich in so kurzer Zeit noch ein
Wetterwechsel vollziehen?
Schweigend saß ich neben Jürgen auf dem Beifahrersitz und hing meinen Gedanken nach: Egal
wie es aussieht. Ich habe ernsthaft gebetet und ich
glaube an ein Wunder! Es wird, es muss geschehen! Schließlich geht es
ja um mehr ... wenn er ein Wunder sieht, wird er sich bekehren!" Verstohlen blickte ich zu Jürgen hinüber. Aber der blickte konzentriert nach vorne. Schließlich
bogen wir in die Straße ein, die direkt zum Schlosspark führte.
Als
wir auf den Parkplatz fuhren, ließ der Regen urplötzlich nach. "Sieht
so aus, als ob der Regen nachlässt!", sagte ich so beiläufig wie
möglich. "Ja", entgegnete er ebenso beiläufig, "sieht so aus!" Er parkte
den Wagen
ein und wir stiegen aus.
Jetzt tröpfelte es nur noch und ich konnte meine Erleichterung und kaum
noch verbergen:"Sieht so aus, als Gott mein Gebet
erhört hat!" Er schaute mich verblüfft an und lachte dann. Ich fragte
nach: "Warum lachst du? Ist das nicht offensichtlich?" Aber er gab keine
Antwort.
Und in diesem Moment sah ich etwas, was mir geradezu den Atem
verschlug: "Jürgen, sieh mal!" Mit meinem Finger zeigte ich in Richtung
des Himmels, meinen Augen kaum trauend. Über dem Park, und nur über ihm,
war die dunkle Wolkendecke aufgerissen.
Ein Stückchen Himmelsblau und die Sonne wurden sichtbar. Ich lachte
fröhlich: "Na, du alter Zweifler, glaubst du nun, dass Gott ein Wunder getan hat?"
Er schaute mich ungläubig an und fragte zurück :"Wieso?" ich blieb abrupt stehen. "Du fragst Wieso? Hört es nicht auf zu regnen? .... Bist du blind? Überall die dunkle Wolkendecke, nur über dem Park ein
Stück blauer Himmel und Sonnenschein! Das ist das Wunder, um das ich gebeten habe!" Jetzt lachte er und schüttelte den Kopf: "Das ist purer Zufall! Sonst nichts!"
Ich konnte es nicht fassen: "Wie kannst du sagen, dass das nur ein
Zufall ist. Du warst dabei, als ich für gutes Wetter gebetet habe. Und
jetzt ist genau über dem Park", ich wies mit der rechten Hand in den
Himmel,
"ein blauer Himmel. Und schau dich um." Ich drehte mich langsam um
meine eigene Achse und fuhr mit der Hand den restlichen Himmel ab,
"ansonsten nur dunkle Wolken. Das ist das erbetene Wunder. Das mußt du doch anerkennen!?" Er
blieb unbeeindruckt. "Nein, das ist nur ein Zufall, wie es gelegentlich schon mal geschieht! Komm, lass uns in den Park gehen!"
Tatsächlich
wanderten wir zwei Stunden
bei Sonnenschein im Schlosspark umher. Die dunklen Wolken über den Rest
der Stadt blieben die ganze Zeit sichtbar. Natürlich brachte ich die
Sprache noch einmal darauf: "Jürgen, wieso kannst du das nicht als ein
Wunder akzeptieren? Es ist doch
völlig offensichtlich, dass da ein Zusammenhang zwischen meinem Gebet
und dem Sonnenschein hier über dem Park besteht!"
Er blieb stehen: "Nein!",
entgegnete er, "das ist einfach nur Zufall gewesen!" "Aber könnte
es denn nicht auch das Handeln Gottes gewesen sein?", versuchte ich ihm
eine "Brücke" zu bauen. "Nein!", sagte er, "denn es gibt keinen Gott!"Nachdem wir uns später am Ausgang des Schlossparks getrennt hatten, nahm ich mir noch etwas Zeit zum Nachdenken. Ich habe so viel über den Glauben und meine Erlebnisse erzählt. Und nun hat er ein waschechtes Wunder erlebt. Aber er war nicht im Geringsten berührt davon. Mit einem Mal hatte ich so etwas wie eine Ahnung, dass er möglicherweise nie zum Glauben an Jesus finden würde. Traurig ging ich los!
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